Impressum
| Aktuelles | Vereinsinfos | Gruppen | Wandern | Tourenberichte
Von München nach Venedig auf Schusters Rappen

Ein Bericht von Manfred Ahrens und der Interviewgruppe des Jugendzentrums FJT Osterrönfeld
mit Hanna Lina Olf, Wiebke Gerdes, Louisa Mahn, Sarah Baltz, Paul Mattis Haack, Till Hüser, Daniel Mielke über das D.A.V. Mitglied Andreas Groß

Vorwort:
Das Seminar der Gewerkschaft Verdi Wir konsumieren uns und unsere Umwelt zu Tode brachte den Teilnehmern viele neue Sichtweisen auf unser tägliches Leben und den Umgang mit der Natur.
Eine (wenn auch nicht unbedingt neue) von vielen Erkenntnissen: Flugzeuge und Autos belasten unsere Umwelt in sehr hohem Maße. Das brachte den Teilnehmer und D.A.V.-Mitglied Andreas Groß, einen leidenschaftlichen Wanderer, auf den Gedanken, eine Wanderung von München nach Venedig zu unternehmen.
Muenchen_Venedig Im Juli/August 2016 werde ich den Traumpfad München - Venedig über die Alpen angehen, verkündete er. Sich und der Welt zeigen, dass es auch ohne umweltbelastende Verkehrsmittel möglich ist, Urlaub zu machen. Sicher eine ungewöhnliche Art, aber eine Demonstration, was der Mensch fähig ist zu leisten, um die Natur zu schützen.
Ich, Manfred Ahrens, bot ihm spontan an: In Venedig treffe ich dich, zu dem Zeitpunkt bin ich mit einer Jugendgruppe vor Ort. Nach dem Seminar blieben wir in Kontakt, Andreas plante seine Tour und ich die Jugendfahrt, die Jugendlichen wurden auf das Zusammentreffen in Venedig vorbereitet. Am 10.07.2016 startete Andreas in München, am 07.08.2016 sollte dann das Treffen in Venedig sein.

Edelweiss München - Venedig
Der Traumpfad München - Venedig ist ein Fernwanderweg, den Ludwig Graßler in einem 1977 erstmals veröffentlichten Buch beschrieben hat. Der Weg führt vom Marienplatz in München über die Bayerischen Voralpen und das Karwendel ins Inntal. Von dort wandert man in die Tuxer Alpen, überquert den Alpenhauptkamm und setzt den Weg über das Pfunderertal und die Lüsner Alm in die Dolomiten fort. Nach der Überquerung der Puezgruppe, der Sella und der Südlichen Dolomiten endet der alpine Teil des Weges in Belluno. Ähnlich wie an der Alpennordseite folgen nun zwei Wandertage durch die Belluneser Voralpen und durch das Flachland, bis man schließlich nach etwa 28 Wandertagen den Markusplatz in Venedig erreicht. Insgesamt werden etwa 550 km Strecke und 20000 Höhenmeter zurückgelegt.
Höchster Punkt 2967 m, niedrigster Punkt 0 m.
Während wir am Gardasee weilten, wanderte Andreas seinem Ziel entgegen.
Am 07.08.2016 um 16 Uhr war es dann soweit, das Treffen in Venedig.
Auf dem Markusplatz am Markusturm schlug es 4 Uhr am Nachmittag, da saß der Wanderer Andreas Groß, eine herzliche Begrüßung und die Gratulation der Jugendgruppe entgegennehmend.
Nach kurzem Smalltalk kam die Neugierde durch und die Gruppe wollte mehr wissen über diese Wanderung.
Venedig
Edelweiss Eine Gruppe der Jugendlichen interviewte ihn.
Jugendgruppe: Dein eigentlicher Wohnort ist wo?
Andreas: Ich komme aus Schleswig-Holstein, wohne in Bad Oldesloe und bin Mitglied der Sektion Lübecks des D.A.V.
J.: Magst du uns dein Alter verraten?
A.: Ich bin 46 Jahre alt.
J.: Wie bist du auf den Gedanken gekommen, so eine Wanderung zu unternehmen?
A.: Ich wandere gerne, ausschlaggebend für diese Tour, war das Seminar Wir konsumieren uns und unsere Umwelt zu Tode bei der Gewerkschaft Verdi, dabei habe ich auch Manfred kennengelernt. Viele erarbeitete Erkenntnisse, wie schlecht wir mit unserem Lebensraum und uns umgehen, für was wir alles z. B. Fahrzeuge nutzen, und die Frage, was kann ich dazu beitragen, dass unser Lebensraum nicht noch weiter zerstört wird? Wie kann ich die Mitbürgerinnen und Mitbürger darauf aufmerksam machen?
Diese Wanderung sollte dazu dienen andere zu bewegen, sich zu bewegen. Etwas zu tun, um die Umwelt zu schützen, damit es auf der Welt noch weiterhin möglich ist, über Generationen zu leben. Ich möchte mit dieser Wanderung Zeichen setzen.
J.: Wann bist du gestartet? Wie viele Tage warst du unterwegs?
A.: Am 10. Juli 2016 bin ich vom Marienplatz in München losgegangen und am 06.08.2016 nach 28 Tagen in Venedig, wenn auch erschöpft, aber überglücklich angekommen.
J.: Was war an Gepäck notwendig und möglich?
A.: Gut eingelaufene Schuhe, Nordic Walking Stöcke, etwas Bargeld und der 12 kg schwere Rucksack mit Artikeln für den täglichen Bedarf. Ganz wichtig ist die ausreichende Flüssigkeitszufuhr während solch einer Tour, also mindestens 2,5 Liter sollten es schon sein. Das gehört dann auch zum Gepäck
J.: Bist du mit deinem Schuhwerk ausgekommen?
A.: Ja, mit 2 Paar Schuhen, schwere Wanderschuhe + Runningschuhe, bei denen sich bei der Ankunft in Venedig die Sohle löste. Bei den NW Stöcken löste sich drei Tage vor Ankunft aufgrund der hohen Temperaturen einer der Griffe ab. Zum Glück erst da.
J.: Auf deiner Route hast du wo übernachtet, gegessen und dich z.B. gewaschen?
A.: In der Regel in Hütten des Deutschen Alpenvereins bzw. in den Schwesterorganisationen Österreichs und Italiens und in Gasthäusern und Hotels. Auf den Hütten habe ich auch gegessen. Da aber dort die Kost manchmal nicht sehr umfangreich sein konnte, war es schwierig den Tagesbedarf an Kalorien zu decken. Dadurch habe ich in den 28 Tagen ca. 2 kg an Gewicht verloren. Die Körperreinigung erfolgte ebenfalls so gut es ging auf den Hütten. Wenn es mal möglich war, warm zu duschen (2-5 €), habe ich das auch genutzt. Übrigens, die Hütten waren voll belegt, nicht alle waren nach Venedig unterwegs, es gibt ja auch genug andere Ziele in den Alpen.
J.: Wie war das Wetter in den Abschnitten?
A.: Es war sehr wechselhaft, zwischen Hitze bis Schneeregen gab es alles. Das brachte dann auch gelegentlich einige Probleme mit sich, die es nicht leichter machten um da durchzukommen. Wegen des schlechten Wetters musste ich beispielsweise einen großen Umweg machen, da der vorgesehene Weg nicht passierbar sein sollte. Das hat schon Zeit gekostet, aber Sicherheit geht vor.
Jugendgruppe J.: Wo war diese Sperrung?
A.: Der Hüttenwirt im Karwendelhaus riet ohne weitere Diskussion von der Überquerung des Schlauchkarsattels (2620m) ab. Es gab auf der Höhe Neuschnee, der Weg wäre nicht erkennbar. Gesperrt in dem Sinne war er nicht, doch es wäre unverantwortlich gewesen, die Birkkarspitze zu begehen. Die Tagesetappe verlief dann vom Karwendelhaus zum Hallerangerhaus über 36 km.
J.: Welche Hütte oder welches Haus war für dich etwas Besonderes?
A.: Alle waren etwas Besonderes. Keine war mit den anderen zu vergleichen. Am positivsten habe ich aber die Olperhütte in Erinnerung. Die fantastische Lage, das besondere Panorama über den Schlegeisspeicher zum Zillertaler Hauptkamm. Die Ausstattung war üppig, das Frühstück reichlich und Umweltschutz wird groß geschrieben. Gebaut aus Holz als nachwachsender Rohstoff, CO2-neural und trägt damit zum Klimaschutz bei. Photovoltaikanlagen und rapsölbetriebenes Blockkraftheizwerk erzeugen den notwendigen Strom und das Warmwasser. Das Abwasser wird in einer vollbiologischen Kläranlage gereinigt. Das hat alles schon was.
J.: Das tollste Panorama war wo?
A.: Es waren so viele. Eines schöner als das Andere. Jeden Tag neue tolle Eindrücke und jedes Gebirge ist einzigartig.
J.: Deine längste Gehzeit?
A.: Etwa 8 Stunden.
J.: Hast du Freundschaften schließen können?
A.: Es gab viele Gespräche mit Anderen, wir haben uns ausgetauscht. Mit einem Wanderer bin ich allerdings vom 3. Tag an bis zum vorletzten Tag kurz vor Venedig zusammen gegangen. Ich bleibe mit ihm in Kontakt.
J.: Gab es Highlights?
A.: Abgesehen davon, dass die ganze Tour ein Highlight für mich war, hat mich der Schnee im Hochsommer und die Wanderung über Gletscher fasziniert. Der Hintertuxer Gletscher im Tirol, Österreich auf der Etappe Tuner-Joch-Haus – Friesenbergscharte – Olpererhütte, dazu mehrere Schneefelder, z.B. Gliderschartl oder Zwischenkofel
J.: Und Tiefpunkte?
A.: Natürlich. Bereits nach einer Woche war mein eines Knie dick geworden und ich trug mich kurz mit dem Gedanken aufzugeben. Ich biss die Zähne zusammen und suchte im nächsten Dorf eine Apotheke auf, um dort die passende Arznei zu kaufen.
J.: Wie viele Km bist du täglich im Durchschnitt gewandert?
A:. Das kam auf die Schwierigkeit der Streckenabschnitte an, mal 10 km, mal 36 km. Auf Gletschern und Etappen mit vielen Steigungen habe ich grundsätzlich weniger geschafft als im flacheren Teil.
J.: Und wie hast du deine Wanderung finanziert?
A.: Alles aus eigenen Mitteln. So pro Tag 50 € musste man schon einkalkulieren. Durch die Mitgliedschaft im D.A.V. sind die Übernachtungspreise auf den Hütten aber günstiger.
J.: Würdest du die Tour noch einmal machen, z.B. mit einer Jugendgruppe?
A.: Mit einer Jugendgruppe stünde eine ganz andere Herausforderung an und ist sicherlich spannend. Im Moment bin ich erstmal froh, es allein geschafft zu haben. Ich glaube nicht, dass ich den Weg in naher Zukunft noch einmal beschreiten werde. Es war das Extremste, was ich bisher in meinem Leben gemacht habe. Ich werde jetzt erst einmal regenerieren. Eine Einschränkung räume ich allerdings ein. Da ich ursprünglich die Tour mit meinem ältesten Sohn Paul machen wollte, der aber verhindert war, könnte ich mir vorstellen, dass ich mit ihm gemeinsam wieder auf dem Traumpfad München - Venedig anzutreffen wäre. Vorausgesetzt, er würde fragen.
J.: Würdest du jungen Menschen das Wandern empfehlen?
A.: Definitiv! Es waren mehrheitlich Menschen zwischen 20 und 40 Jahren dort unterwegs. Diese Erfahrungen, die man dort macht, sind einmalig. Letztendlich ist es auch eine Kosten- und Zeitfrage. Generell kann das Wandern für junge Menschen nur Spaß machen, wenn es einen besonderen Rahmen bietet. Ich glaube, die Ruhe, die ich während meiner Tour genossen habe, wird von Jugendlichen noch nicht unbedingt gesucht.
J.: Planst du eine neue Tour?
A.: Planen nicht. Ich würde gerne die Route entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze bewandern. Auch der Ochsenweg von Flensburg nach Viborg in Dänemark interessiert mich. Mal sehen.
J.: Vielen Dank für die Auskunft und weiterhin viel Erfolg und Spaß beim Wandern, guten Heimweg und danke für das Engagement für unseren Lebensraum.
A.: Vielen Dank an Euch und auch Euch eine gute Heimreise. Auskunftstellen