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Patagonien 2014 ... bis ans Ende der Welt
Ein Bericht von Dr. Heiko Knoop

Patagonien Die Idee nach Patagonien zu reisen, schlummerte schon etwas länger in mir, nur die Umsetzung ist nicht immer so einfach zu bewältigen. Als ich eine Einladung eines Freundes erhielt, ihn auf der Hochzeit in Buenos Aires zu besuchen, war die Planung für die Reise bis ans Ende der Welt geboren.
Viele können sich bestimmt noch an den großen Lufthansastreik im April 2014 erinnern. Genau zu dieser Zeit fiel unsere Abreise. Über Umwege mit Zwischenaufenthalt in Zürich und Madrid landeten wir doch noch ziemlich pünktlich in Buenos Aires. Die Hauptstadt Argentiniens ist mit 13 Millionen Einwohnern eine der größten Metropolen Südamerikas und ist sehr europäisch geprägt. Um alle Sehenswürdigkeiten zu besuchen, sollte man schon 5 bis 7 Tage einplanen. Wir wollten jedoch an den südlichsten Zipfel der Welt und vorher an einer südamerikanischen Hochzeit teilnehmen. Nachdem wir eine tolle Hochzeitsparty in einem Restaurant mitten in Buenos Aires erlebten, freuten wir uns schon auf die Naturerlebnisse.
Zunächst ging es per Flugzeug nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt mit immerhin ungefähr 60.000 Einwoh-nern. Das Klima ist maritim ausgeglichen und über das ganze Jahr relativ kalt und zwischen -6 und 8 °C, im Sommer dagegen zwischen 5 und 20 °C. Innerhalb einer Stunde sind hier alle vier Jahreszeiten erlebbar, wird herrlicher Sonnenschein von bitterkalten Schneeschauern abgelöst. Die Jahreszeiten sind den europäischen entgegengesetzt. Wir haben den perfekten Zeitpunkt gewählt. Die meisten Touristen waren schon wieder weg und mit dem Wetter hatten wir einfach Glück.
Wir bezogen ein kleines Hotel für eine Woche und unternahmen verschiedene Ausflüge. Zunächst buchten wir eine der berühmten Bootsfahrten auf dem Beagle Kanal. Der Beagle Kanal ist eine etwa 200 km lange Passage zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean. So starteten wir mit der Tres Marias, einem kleinen Boot für maximal 12 Personen, und einem englischsprachigen Guide. Das war die perfekte Wahl, da wir zusätzlich für zwei Stunden Landgang auf der H–Insel, einem Naturreservat im Beagle Kanal, hatten. Wir konnten beeindruckende Fotos machen, da wir das perfekte Wetter für diese Bootstour erwischten.
Postamt Ein weiteres Highlight ist eine Küstenwanderung am Ende der Welt im Parque Nacional Tierra Del Fuego. Der Eingang des Nationalparks befindet sich direkt an der berühmten National Route 3, die etwa 11 km westlich von Ushuaia, nach 17848 km hier endet. Langsam wird uns erst richtig bewusst, wo wir uns wirklich befinden, am Fin del mundo.
Um dies in unseren Gedanken zu festigen, begegneten wir auf dieser Wandertour gleich mehrere Kuriositäten. Zum Beispiel das südlichste Postamt der Welt. Ein Holzsteg führt etwa 20 Meter in den Beagle Kanal und am Ende steht eine kleine Holzhütte, die natürlich von einem Postbeamten! besetzt war. Hier konnte man wirklich seine geschriebenen Karten abgeben oder sich einen Fin Del Mundo-Stempel in den Pass setzen lassen.
Glücklicherweise haben wir uns ein Auto gemietet, so dass wir auch an Orte kamen, die wir sonst nie gesehen hätten, z. B. die Estancia Harberton, einer etwa 20.000 ha großen Farm, die Anfang des Jahrhunderts von einem englischen Missionar Thomas Bridges gegründet und geführt wurde. Besondere Verdienste erwarb er sich bei der Erstellung eines Wörterbuches zur Sprache der Yamana, einem Indianerstamm aus Feuerland, bei denen er jahrzehntelang lebte. Allein die Fahrt zur Estancia Harberton ist schon spektakulär und dauert etwa 1 1/2 Stunden, d. h. wer es mag über eine Buckelpiste durch unberührte Natur zu fahren. Fischerhütte Eine Führung durch die Farm und dem südlichstem Museum der Welt dauert etwa 2 Stunden. Dieses Meeresmuseum beherbergt eine Vielzahl von Knochen von Meerestieren, vor allen Dingen von Robben, Delphinen und Walen. Die Führung übernahm eine Studentin aus Buenos Aires, die hier ihr Praktikum absolvierte und mit Begeisterung und Fachwissen uns die wissenschaftliche Arbeit erklärte. Für mich als Zahnarzt waren natürlich die riesigen Zähne der Wale, die in Schaukästen untergebracht waren, besonders interessant.
Auf dem Rückweg besuchten wir noch ein idyllisches kleines Fischerdorf, Puerto Almanza, welches mit seinen bunten, farbigen Fischerhütten zum Verweilen einlädt. Am nächsten Tag ging es mit dem Flieger nach El Calafate, dem Ausgangspunkt für alle Unternehmungen in den argentinischen Teil Patagoniens. Auch hier mieteten wir uns ein Auto, um unabhängiger zu sein. Es ging gleich weiter nach El Chalten , etwa 220 km von El Calafate entfernt. Lamas Auf diesem Wege begegneten wir die in diesem Teil Argentiniens lebenden Guanakos, eine Stammform des domestizierten Lamas.
Das Wahrzeichen Patagoniens, der über 3000 Meter hohe Fitz Roy, wirkt wie eine Fata Morgana, da der Gipfel meistens in den Wolken steht. Für alle, die gerne wandern und bergsteigen oder schon einmal etwas vom Fitz Roy oder Cerro Torres gehört haben, ist dies der richtige Ort.
Cerro Torres Aber auch ein Besuch der riesigen Gletscher ist unbedingt zu empfehlen. Wir besuchten zunächst den Viedma Gletscher in der Nähe von El Chalten, eine Empfehlung von Insidern. Ein hervorragender Tipp ... fanden wir, da dieser Gletscher nicht so bekannt und überlaufen war, und wir eine kurze Wanderung auf dem Gletscher unternehmen konnten. Besonders beeindruckend erschien uns die tiefblaue Farbe des Eises. Dieses ist nur ein optischer Lichteffekt, das Eis reflektiert nur die blaue Farbe des Wassers darunter. Am Ende der Gletscherwanderung gab es einen Baileys auf Eis (natürlich millionenaltes Gletschereis)
Gletscher Natürlich besuchten wir auch den Perito Moreno-Gletscher, eines der größten Gletschergebiete der südamerikanischen Anden. Die Kalbungsfront ist etwa 2 km lang und etwa 60 ! Meter hoch. Im Gegensatz zu den meisten Gletschern der Region zieht sich dieser nicht zurück. Wegen der guten Erreichbarkeit und den spektakulären Ausmaßen ist der Perito Moreno Gletscher eines der größten Tourismusattraktionen Argentiniens.
Zurück nach El Chalten planten wir unseren nächsten Trip durch die Berge Patagoniens, insbesondere wollten wir unbedingt den Fitz Roy und dem Cerro Torres ganz nah sein. Von hier aus hat man den direktesten Zugang zu den Bergmassiven. El Chalten ist eine der jüngsten Ortschaften Argentiniens und wurde erst 1985 gegründet. Damals hatte das Dorf nur etwa 50 Einwohner. Jetzt leben hier etwa 1700 Menschen. Durch den zunehmenden Tourismus erlebte El Chalten einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Mittlerweile spricht man vom aufstrebenden Chamonix Argentiniens.
Geierfalken Unsere letzte Tour mit Zelt und Rucksack sollte zunächst bis zum Zeltplatz Poincennot gehen. Auch hier hielt sich die Zahl der Wanderer in Grenzen. Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten, begegneten wir einem der eindrucksvollsten Vögel dieser Gegend, einem Geierfalken (Caracara). Ich schnappte mir sofort die Kamera und konnte sehr schöne Fotos machen.
Laguna de Los Tres Vom Campingplatz ging es weiter zur Laguna de Los Tres, einem Aussichtspunkt am Fuß des Fitz Roy zu einem der schönsten Plätze in diesem Gebiet, eine einstündige Wanderung, die nicht zu unterschätzen war. Es ging steil nach oben und der Weg wurde mit jedem Höhenmeter immer glatter, da noch eine Menge Eis und Schnee vorhanden waren. Dort oben auf dem Bergkamm angekommen, raubte uns eine unglaubliche Aussicht den Atem. Wir blinzelten in die Sonne und schauten auf einen türkisfarbenen See, umgeben vom schneebedeckten Bergmassiv. Was für eine Kulisse!
Diese Wanderung war gleichzeitig der Höhepunkt unserer Reise. In zwei Tagen ging es wieder zurück nach Deutschland. Diese Reise bis zum südlichsten Zipfel Argentiniens ist besonders für Naturbesessene zu empfehlen und wird unvergessliche Erlebnisse zurücklassen.

Edelweiss Länderinfo
Argentinien ist etwa 7,8 mal größer als Deutschland und hat nur halb so viele Einwohner, nämlich 43 Millionen. Die Landessprache ist Spanisch. Man kommt aber auch sehr gut mit Englisch weiter. Durch die Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 3700 km kommt man am schnellsten mit dem Flugzeug voran.

An- und Weiterreise
Alle Flüge haben wir von Deutschland aus gebucht. Zunächst von Frankfurt nach Buenos Aires (unbedingt 3-4 Tage Sightseeing einplanen). Der internationale Flughafen Aeropuerto Internacional Ministro Pistarini (EZE), ist ungefähr 23 km von der City entfernt und durch das hohe Verkehrsaufkommen braucht man mindestens 1 Stunde, besonders zu beachten bei der Rücktour. Da die City meistens verstopft ist, braucht man oft noch länger. Der Flug von Buenos Aires nach Ushuaia geht vom nationalen Flughafen Aeroparque Jorge Newbery (AEP) aus und dauert etwa 3.5 Stunden. Am kleinen Flughafen (Ushuaia) kann man direkt ein Auto mieten. Wir haben alle Flüge und den Mietwagen per Internet gebucht und hatten keine Probleme.

Währung
1 Euro = 9,94 Argentinische Peso (April 2014)
1 Euro =17,25 Argentinische Peso (Okt. 2016)

Unterbringung und Touren
Die Unterkunft in Ushuaia besorgten wir uns vor Ort. Ein kleines Hotel mit Selbstverpflegung (Apart Hotel Cabo San Diego) E-mail: info@cabosandiego.com.ar

Für die Wanderungen im argentinischen Teil Patagoniens blieben wir ein paar Tage in El Chalten. Dort gibt es eine Menge Hotels, diese kann man sich alle im Internet angucken.