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Nepal 2017: Trekking zum Annapurna Base Camp

Führung, Text und Fotos: Andreas Happe


Am 29. Oktober ist es soweit: Wir verabschieden uns aus dem herbstlichen Deutschland und fliegen über Istanbul nach Kathmandu. Der Flieger ist ziemlich leer, das macht den Nachtflug vergleichsweise angenehm.

30. Oktober:
Die erste Unterkunft für unsere 15-köpfige Gruppe ist das Hotel Heritage in Bhaktapur. Nach Beziehen der Zimmer spazieren wir durch die mittelalterliche Stadt, die mit ihren Pagoden, Tempeln und traditionellen Wohnhäusern einen starken Eindruck hinterlässt - auch wenn viele Erdbebenschäden noch nicht behoben sind. Bild1 Beim Sundowner auf dem Dach der Garuda Bar blicken wir über Plätze und Tempel Bhaktapurs bis auf den bergigen Rand des Kathmandutals.

31. Oktober:
Fahrn, fahrn, fahrn ... aber nicht auf der Autobahn. Für die gut 200 km nach Pokhara brauchen wir den ganzen Tag. Zuerst bremst uns der obligatorische Stau in und um Kathmandu, dann die verstopfte Straße zur indischen Grenze und überall die schlechten Fahrbahnbedingungen, deren Schäden z.T. noch vom Erdbeben 2015 stammen. Das Hotel Mount Kailash Resort bietet mit seinem tollen Standard eine gute, aber kurze Erholung. Schön, dass wir hier nach dem Trekking noch zweimal übernachten werden.

1. November:
Das Gepäck landet z.T. im Depot des Hotels, zum anderen Teil auf und in dem Bus, der uns in 2 Stunden nach Nayapul bringt. Unsere sympathischen Träger haben wir an Bord, sie übernehmen die schweren Lasten, so dass wir nur die Tagesrucksäcke tragen müssen. Wir wandern heute - 1000 m aufwärts - bis Ulleri. Nachdem wir den geschäftigen Bazar von Nayapul hinter uns gelassen haben, begleiten uns wilde Flüsse und malerische Reisfelder. Die Landschaft ist üppig grün und erste beeindruckende Blicke auf den Machapuchare werden frei. Auch die ersten Hängebrücken gilt es zu überqueren. Bei der Mittagspause in Hille machen wir uns mit der Speisenauswahl der nächsten Tage vertraut. Danach ist das Trekken schon fast Routine.

Bild2 2. November:
Nach dem Frühstück auf der Dachterrasse - mit Blick auf schneebedeckte Gipfel - wandern wir auf dem alten Handelsweg zwischen Tibet und Pokhara zum Pass nach Ghorepani hinauf. Entsprechend viele Stufen erwarten uns heute, aber auch schöner Rhododendronwald. Wer hätte gedacht, dass unsere typischen Vorgartengewächse so groß werden können? Die gesamte Südseite des Himalaja ist von diesen hohen Bäumen geprägt. In vielen Shops am Wegesrand können wir uns mit Wasser versorgen. Ob wirklich jeder seine 5 Liter pro Tag trinkt? Und ob jeder sich so langsam und gleichmäßig bewegt wie ein Faultier? Nachmittags erreichen wir Ghorepani. Hier spüren wir erstmals, was das Wandern in größeren Höhen bedeutet.

3. November:
Früh klingelt der Wecker. Wir wollen zum Sonnenaufgang auf unserem ersten Aussichtsgipfel stehen, dem Poon Hill. Während wir im Schein der Taschenlampen aufsteigen, merken wir, wie populär dieses Ziel ist. Wie in einer Karawane steigen wir gemeinsam mit Trekkingtouristen aus aller Herren Länder dem Gipfel entgegen. Oben angekommen entschädigen schon die ersten Blicke auf die Eisriesen von Annapurna und Dhaulagiri, die sich aus der Dämmerung schälen. Und es wird immer besser. Bald bescheint die Morgensonne die komplette Szenerie. Nach ausgiebigem Schauen und vielen Fotos geht es wieder zurück zum Frühstück nach Ghorepani. Anschließend wandern wir Richtung Osten hinauf zum Deuralipass, von dem wir erneut umwerfende Aussichten auf den Himalaja genießen können - dieses Mal in deutlich einsamerer Atmosphäre. Bild3 Durch herbstlich gefärbte Rhododendronwälder steigen wir in einem engen Tal mit steilen Felswänden tief hinab und machen dabei viel Strecke. Die Mittagspause legen wir in Banthanti ein. Danach geht es kurz hinauf nach Tadapani und noch mal hinunter nach Chuile. Kurz vor dem Dorf kommen uns die ersten Wasserbüffel zur Begrüßung entgegen.

4. November:
Die schöne Lodge verwöhnt uns nicht nur mit ihren guten Zimmern. Das Frühstück können wir bei strahlendem Sonnenschein auf der großen Wiese einnehmen, wieder mit tollen Blicken auf den Machapuchare. Zu unserer Unterhaltung kommt eine bepackte Pferdekarawane vorbei, Kinder spielen in der Morgensonne und es breitet sich eine friedliche Atmosphäre aus. Der heutige Wandertag ist kurz, daher lassen wir uns viel Zeit. Die Gegend ist etwas stärker besiedelt und die Landschaft ist geprägt von Weiden und terrassierten Feldern. Wir durchqueren immer wieder kleine Weiler und gelangen so nach Chomrong, dem letzten ursprünglich gewachsenen Dorf auf unserer Aufstiegsroute. Das Abendlicht färbt die steilen Bergflanken rot, und nachts scheint der klare Mond zum Greifen nah. Auch hier schmecken die Momos - die tibetischen Maultaschen - wieder köstlich!

Bild4 5. November:
Gleich nach dem obligatorischen Foto-Shooting - Schneegipfel in der Morgensonne - steigen wir wieder in die Trekkingstiefel. Das Dorf Chomrong lässt viele Einblicke in das tägliche Leben der Bewohner zu, auch wenn es hier schon viele Lodges gibt. Hinter dem Dorf geht es steil über viele Stufen hinab zum Chomrong Khola, und nach der Hängebrücke auf der anderen Seite genau so steil wieder hinauf. Wir verlassen das besiedelte Gebiet und tauchen in den Rhododendron-Bambus-Dschungel ein. Unterwegs teilen wir den Pfad mit einer riesigen Ziegenherde Die Mittagspause legen wir in einem Ort mit dem passenden Namen Bamboo ein, später nachmittags erreichen wir Dovan.

6. November:
Von Dovan nach Deurali ist die Strecke wieder relativ kurz. Wir sparen Energie, die wir am morgigen Tag brauchen werden. Unterwegs passieren wir einen kleinen Hindutempel und eine riesige überhängende Felsplatte, Hinku Cave. Hier klettern viele Languren-Affen in den Felsen herum. Anschließend gilt es, einen Lawinenkegel zu überqueren. Die kleine Brücke hat der Fluss weggerissen, so dass sich die in den letzten Tagen gut trainierte Trittsicherheit und Schwindelfreiheit bezahlt macht.

Bild5 7. November:
Die Königsetappe: Heute steigen wir zum Annapurna Basecamp auf. Erst ist es noch recht schattig, dann aber geraten wir in eine sonnendurchflutete Graslandschaft und machen eine erste Pause. Die Gipfel der Annapurna kommen immer näher und die Landschaft wird immer alpiner. Am Machapuchare Basecamp legen wir die Mittagspause ein. Noch gibt es ein paar Sonnenstrahlen, aber zum Ende der Pause hat sich der Nachmittagsnebel breit gemacht. Der schmale Pfad windet sich zwischen großen Felsblöcken durch die alpine Graslandschaft. Der Nebel dämpft die Geräusche, die Sicht und die Stimmung und zwingt die Bergwanderer in eine meditative Gangart. Die dünne Luft tut das ihre dazu. Irgendwann tauchen die schemenhaften Umrisse eines Tores auf: "Annapurna Basecamp, 4130 m " steht darauf. Wir haben unser Ziel erreicht. Kalt ist es hier und müde sind wir auch, daher verschwinden abends wieder alle schnell in ihren Zimmern.

8. November:
Schon in der Nacht wird der Himmel wieder klar, und früh morgens hält es niemanden mehr im Bett. Die Aussicht rundherum ist fantastisch. Egal wohin man schaut: In einem geschlossenen Kreis um uns herum stehen die Sieben- und Achttausender mit ihren weißen Häuptern. Gletscher ziehen sich bis weit ins Tal hinab, und die ersten Strahlen der Morgensonne küssen die höchsten Gipfel. Bild6 Der Mond verschwindet nur langsam hinter der Annapurna, während die sonnenbeschienene Fläche von Minute zu Minute größer wird. Gebetsfahnen flattern im Wind und die Mühsal der letzten Tage sowie die Kälte und spartanische Ausstattung des ABC sind vergessen. Nach dem Frühstück wird der Abstieg lang - schon deshalb, weil man sich ständig nach den Bergen umdrehen muss. Immer wieder neue Perspektiven und immer neue Lichtverhältnisse bringen die Kameras zum Glühen. Wir steigen fast 1800 m hinab nach Bamboo. Unterwegs an der Hinku Cave haben Schneegeier die Affen als Fotomodelle abgelöst. Die Brücke im Lawinenkegel ist wieder aufgebaut. Zum Schluss kommen noch einmal die Regenjacken zum Einsatz, dann erreichen wir das warme und gemütliche Camp Bamboo.

9. November:
Weiter geht es bergab - nur kurz vor Chomrong bewältigen wir noch einmal einen berüchtigten Gegenanstieg mit unzähligen Stufen. Die Luft wird milder und es gibt am Wegesrand viel zu sehen: Bepackte Pferdekarawanen, noch stärker bepackte Träger mit Wellblechplatten oder Holzbalken, Bauern beim Dreschen der Hirse, gemütlich wiederkäuende Wasserbüffel, Obsthändler auf Decken am Wegesrand oder aus hohlen Baumstämmen gefertigte Bienenkörbe. An unserem Ziel in Jhinudanda wartet eine gemütliche Lodge mit tollen Zimmern samt Dusche. Abends verabschieden wir die Träger mit einer Tombola.

Bild7 10. November:
Durch subtropische Gefilde führt unsere letzte Etappe. Dichter Wald wird von malerischen Dörfern und Reisfeldern unterbrochen. Der Modi Khola hat sich tief in die Landschaft eingeschnitten. Trotzdem können wir hinter und über uns immer noch schneebedeckte Gipfel bestaunen. Kurz vor Kyumi treffen wir auf eine staubige Piste, und bald darauf sehen wir nach 10 Tagen erstmals wieder Autos und Busse. Einer von denen bringt uns nach Nayapul, wo wir essen und umladen. Dann geht es zurück an den See, nach Pokhara.

11. November:
An einem Tag ohne Programm genießen wir die Wärme und die entspannte Atmosphäre am Phewa-See. Pokhara bietet viele angenehme Einkehrmöglichkeiten und genug Gelegenheit, den Bestand an Nepalesischen Rupies auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Der eine genießt das Leben in einem Café an der Uferpromenade, der andere feilscht mit freundlichen Händlern um den Preis für Schmuck oder andere Mitbringsel.

12. November:
Wir starten früh mit dem Bus nach Kathmandu. Unterwegs kehren wir in einem traditionellen Bhatti ein und verpflegen uns mit Dal Bhat oder der bewährten Vegetable Noodle Soup. Auch, weil sich die Verkehrslage etwas entspannter präsentiert als auf dem Hinweg, können wir in Kathmandu noch einen kleinen Rundgang durch das Gassengewirr starten und einen Eindruck vom Leben in Nepals Hauptstadt gewinnen. Abends verbiegen wir auf Kissen sitzend unsere Knochen im Restaurant Third Eye bei leckerem Essen und verprassen anschließend die letzten Rupies im Supermarkt.

13. November:
Ohne den gefürchteten Verkehrskollaps erreichen wir den Flughafen. Beim langen Flug über Istanbul zurück hilft nur: Augen zu und durch. Mehr oder weniger wohlbehalten landen wir wieder in Deutschland und streben unseren Heimatorten zwischen Berlin und Freiburg zu. Die meisten liegen erst in den frühen Morgenstunden wieder in ihrem lang ersehnten heimischen Bett.