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"6 Tage, 6 Hütten, 7 Gipfel - Eine selbstgebastelte Venter Runde"

Ein Bericht von Dietmar Zahn

Mittlerweile hat es für mich schon Tradition, im Anschluss an die Arbeitswoche auf der Sulzenau-Hütte noch eine Bergfahrt zu unternehmen. Eigentlich war der Ortler auf dem Plan, stattdessen soll es nun in die Ötztaler gehen. Ich bin pünktlich zum Treff in Neustift, auf geht's nach Ötz. Dort steigt noch jemand dazu, so dass wir nun zu Viert sind.
Marzelferner - Hintere Schwärze Das Auto kann gut in Vent abgestellt werden, wenn man bereit ist, 30 €für die Woche zu bezahlen. Dafür ist die Wildspitzbahn ganz nah. Wir nehmen aber den Weg zu Fuß, Richtung Martin-Busch-Hütte. Noch fühlt sich der Rucksack ganz leicht an! Die Nacht auf der Hütte ist kurz. Gut, dass ich das frühe Aufstehen vom Arbeitseinsatz her gewohnt bin. Mit der aufgehenden Sonne geht es dann Richtung Hintere Schwärze. Unser Weg hat alles, was Hochtourengehen so ausmacht. Gott sei dank sind die Spalten gnädig mit uns, ohne größere Schwierigkeiten stehen wir dann oben auf 3628 m. Es hat sich gelohnt! Der Ausblick entschädigt für die Mühen (siehe Bild).

Wieder runter, es soll zur Similaun-Hütte gehen. Fast denselben Weg zurück? Nein, uns juckt das Fell, wir kürzen ab über eine sehr steile Wand von bestimmt 200 m Höhe. Und das ohne Sicherungen; wir haben wohl gerade die 2. Luft bekommen. Irgendwie fühlt sich dann mein Rucksack um einiges schwerer an, ich habe Durst und mit Schrecken wird mir klar, dass ich viel zu wenig zu trinken dabei habe. Das wird noch Folgen haben! Jemand kommt dann auf die tolle Idee, gleich noch den Similaun mitzunehmen. Wir könnten ja als Kompromiss die Rucksäcke am Abzweig zur Similaun-Hütte lagern. Was soll's, ich geh halt mit... Wir sind dann oben (3606 m), die einen stimuliert, ich dehydriert. Bis zur Hütte sind es dann noch 600 HM, dann nur noch trinken, trinken .... Nudeln, Schokopudding mit Eierlikörsoße und schlafen ! Die Nacht auf der Hütte ist kurz.
Und wieder geht die Sonne auf, sie wird uns die ganzen Tage treu bleiben. Wir nehmen die Ötzi-Fundstelle natürlich mit und gehen dann über die Fineilspitze (3516 m) auf die Bella-Vista-Hütte. Ich habe eindeutig noch mit den Folgen des Vortages zu tun (vor allem Schwindel). Die Hütte ist super, duschen mit Blick auf unsere bisherige Tour. Das hat was! Das Essen ist auch nicht zu verachten. Die Nacht auf der Hütte ist noch kürzer.
Heute geht's auf die Weißkugel, sie gilt als anspruchsvoll. Was sich dann auch bestätigt. Der Anmarsch lässt keine Wünsche offen, alles dabei wie Sulz, tiefer Schnee, Steinschlaggefährdung, Spalten, Kraxeln, zu guter Letzt einen fantastischen Blick auf Ortler, Bernina etc., die zum Greifen nahe scheinen. Wildspitze Wir sind aber auch auf 3741m. Auf denselben Weg ein Stück zurück, dann zur Weißkugel-Hütte, dort gibt's erst einmal einen Obstler und eine Dusche, später gut und reichlich Hausmannskost, noch später endlich einmal gut geschlafen!
Trotzdem ist auch diese Nacht eindeutig zu kurz. Das nächste Ziel heißt Vernagt-Hütte, Strecke machen. Gehen dann hoch zum Brandenburger Haus (3200 m), machen zum Spaß noch die Dahmannspitze (3355 m), sind dann am Nachmittag auf der Hütte (2755 m). Die ist ordentlich voll, dafür aber ist das Wetter super und ich wieder besser drauf. Auch diese Nacht.... Das Ziel heute heißt Wildspitze. Mit der aufgehenden Sonne geht es Richtung Taschachjoch, dann über die Petersenspitze, vorbei am Brochkogel über Grate und Schneefelder und in leichter Kletterei (II) auf die Wildspitze (3770 m) (siehe Bild). Dort machen wir die Überschreitung mit Abgang auf der Nordseite in Richtung Breslauer-Hütte. Wir sind alle geschafft und ich eindeutig mehr als zufrieden. Zu guter Letzt gönnen wir uns die Seilbahn runter nach Vent, dann rein ins Auto, ab nach Zwieselstein und in die Regensburger Hütte. Es gibt reichlich Spaghetti, Salat und Bier alkoholfrei (was auf einem Versehen meinerseits beruht!).
Am nächsten Morgen Heimreise nach Hannover bzw. Reinfeld bei Lübeck. Schön war's ! und eine große Herausforderung; aber eben auch sehr empfehlenswert!